15 Lehrerinnen und Lehrer scheiden aus
(ds). Mit
Ablauf dieses Schuljahres werden voraussichtlich 15 Lehrerinnen und Lehrer die
Goetheschule verlassen und bis auf eine Ausnahme in den (vorgezogenen) Ruhestand
eintreten. Die dadurch frei werdenden Stellen möglichst rasch mit neuen Lehrkräften
zu besetzen, ist zur Zeit eines der Hauptanliegen der Schulleitung. Unzählige
Telefonate und Gespräche sind bereits geführt worden, sowohl mit übergeordneten
Dienststellen als auch mit Einzelpersonen. Zum ersten Mal seit vielen Jahren
haben frisch examinierte Referendare wieder gute Chancen direkt von ihrer Ausbildungsschule
übernommen zu werden.
Zwar hofft man auf einen weitgehenden Ersatz aller 15 Pädagogen, allerdings
ist die Besetzung der einzelnen Fächer nicht unproblematisch. Betroffen von
dem Ausscheiden sind vor allen Dingen die Fachbereiche I und II, also die sprachlichmusischen
und gesellschaftswissenschaftlichen Felder. Engpässe zeichnen sich schon jetzt
ab in Englisch, Französisch und Kunst. Dem Mangel in diesen Bereichen steht
ein relativ großes Angebot an examinierten Referendaren mit der Fächerkombination
Biologie und Chemie gegenüber. Gerade aber im Fachbereich III (Naturwissenschaften)
herrscht - zumindestens im Augenblick - noch Ruhe.
Selbst wenn die Zahl der ausscheidenden Pädagogen durch Neueinstellungen für
das Winterhalbjahr 2000/2001 annähernd kompensiert werden könnte, wird es, wie
der Schulleiter verlauten ließ, erstmals seit langer Zeit keinen "Lehrer-Überhang"
mehr geben und Abordnungen würden allenfalls innerhalb des Schulverbunds erfolgen,
also nur die Gesamtschulen betreffen, die auch ihre Schulabgänger an die Goetheschule
entsenden.
In der Gesamtkonferenz am 15. Juni, der letzten vor den Sommerferien, werden
also mehr als ein Dutzend Kolleginnen und Kollegen aus dem knapp 70 Personen
starken Stammpersonal verabschiedet werden. Im gleichen Maße vergrößert sich
somit auch der Bestand der Goetheschul-Pensionäre. (Wir werden in unserer Herbstausgabe
über ein Pensionärstreffen mit großem Jungpensionärs-Zuwachs berichten.)
Im einzelnen verlassen (höchstwahrscheinlich) die Goetheschule als Pensionäre:
Reinhard Abel (Deutsch, ev. Rel.), Kurt-Dieter Behle (Mathe., Physik), Friederike
Bohl-Forster (Deutsch, Gesch.), Frank Fahnert (Engl., Erdk.), Otto Frank (Chemie,
Sport), Joachim Kloes (Engl., Gmk., Erdk.), Joachim Lynker (Deutsch, Gmk., Musik),
Dieter Löw (Engl., Franz.), Martin Schmandt (Kunst), Helga Schubert (Deutsch,
Engl., Span.), Hilmar Schwesig (Gesch., Gmk., Sport), Michael Verhoff (Franz.,
Erdk.) und Helmut Weber (Gesch., Mathe., Latein). Dem Versetzungsantrag nach
Berlin (aus familiären Gründen) von Anja Peter (Engl., Gesch.) wurde stattgegeben.
Ebenfalls in den Ruhestand wird der Koordinator der GS Ehringshausen Gerhard
Schöne gehen , der an der Goetheschule einige Stunden Deutsch und Englisch unterrichtete.
Ob schon anlässlich der Verabschiedung der Pädagogen deren Nachfolger begrüßt
werden können, bleibt abzuwarten. Einige Entscheidungen zur Neubesetzung von
Stellen scheinen aber schon getroffen worden zu sein. So haben Dr. Steffen Frank
(Mathe., Physik) und Ralph Markus Seibel (Engl,Gesch.), die beide vor kurzem
ihre Referendarzeit an unserer Schule erfolgreich beendeten, große Chancen,
übernommen zu werden. - Barbara Lynker wurde beauftragt, die nach dem Ausscheiden
von Reinhard Abel frei gewordene Stelle der Schulseminarleitung wahrzunehmen.
Irene Bauer-Weitz kehrt nach einem Jahr Erziehungsurlaub wieder an die Goetheschule
zurück und kann in den Fächern Musik und Deutsch eingesetzt werden.
Wer sich mit der Altersstruktur der Goetheschule beschäftigt, wird erkennen
müssen, dass die Welle der Pensionierungen erst der Anfang einer umfassenden
Umschichtung am Wetzlarer Oberstufengymnasium ist. Mit großen Veränderungen
ist weiter auch in den nächsten Jahren zu rechnen. Bis zum Jahr 2005 könnte
- nach vorsichtiger Schätzung - der Personalbestand der zum Jahrtausendwechsel
an der Goetheschule existierte, um die Hälfte (oder mehr) ausgetauscht worden
sein.
Ehemalige Goethe-Schüler trafen sich erstmals seit 1969 in Wetzlar
von Wolfgang Fritz, Abi 1969
Wetzlar. Anstoß
für die Durchführung eines Klassentreffens war die unvorhergesehene Begegnung
von 4 Ehemaligen beim 200jährigen Schuljubiläum "Fete bei Goethe" Ende August
1999, dazu stieß noch der letzte Klassenlehrer, und schon waren zwei Dinge beschlossen:
Beitreten zum Ehemaligenverein und Durchführen eines Klassentreffens. Die aktuellen
Anschriften waren mit Unterstützung des Ehemaligenvereins bereits nach der rekordverdächtigen
Zeit von nur rund zwei Monaten vorhanden, Termin und Programm festgelegt, eine
Zeitung mit dem Titel "Goethe Times 30plus" hergestellt. Ein wichtiger Programmpunkt
war unter Mithilfe der Schulleiter die Besichtigung der heutigen Kestner-Schule,
die damalige erste Wirkungsstätte als "Goethe-Schule", und der heutigen Goethe-Schule
als letzter Wirkungsstätte.
Von ursprünglich 19 Schülern, davon zwei bereits verstorben, nahmen zehn mit
dem damaligen Klassenlehrer Detlev Luitjens am Treffen teil, das unter dem Motto
"30plus" wegen der seit dem Abitur verstrichenen Zeit und "50plus-minus" wegen
des Lebensalters stand. Die gestandenen Männer mit mehr als zwanzigjähriger
Berufserfahrung sind zwischen Hamburg und Bayern, dem Saarland und Hessen wohnhaft
und in den verschiedensten Berufen tätig: Apotheker, Architekt, Arzt, Bankrepräsentant,
Heizungstechniker, Jurist, Lehrer, Pfarrer, Wirtschaftswissenschaftler, Zahnarzt.
Die Runde im Hotel "Wetzlarer Hof" trennte sich erst nach dem dezenten Hinweis
des Kellners auf sein Dienstende gegen Morgen. Nach gemeinsamen Frühstück fanden
die Schulbesichtigungen statt. Im Anschluss daran fiel beim gemeinsamen Mittagessen
die Entscheidung: das nächste Klassentreffen wird nicht erst nach weiteren 30
Jahren, sondern bereits im September 2001 stattfinden!
Nicht nur Fachwissen vermitteln, sondern auch Ordnung und Höflichkeit
das Interview führte Torsten Mache (WNZ, 20.01.99)
W e t z l a r . Die Wetzlarer Goetheschule ist mit rund 760 Schülern und 104
Lehrkräften das größte Oberstufengymnasium in Hessen. An der Spitze der Schule
steht seit 1990 Oberstudiendirektor Martin Daus. Der 53jährige stammt aus Hanau
und hat an der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Universität in Frankfurt am Main
Englisch, Politik und katholische Theologie studiert. Vor der Goetheschule
unterrichtete er an der Gießener Liebigschule. Wir von der "Jungen Seite"
befragten ihn zu aktuellen Schulthemen.
? Ist ein Oberstufengymnasium eigentlich noch zeitgemäß?
Martin Daus: Zur Problematik dieser Schulform gehört es, dass die Schüler in
der Mittelstufe oft von Lehrern unterrichtet werden, die keine persönliche
Erfahrung in der Oberstufe besitzen, woraus sich ein hoher Kooperations- und
Koordinationsbedarf zwischen der Goetheschule und den abgehenden Schulen
beispielsweise durch regelmäßige Lehrerkonferenzen ergibt. Der große Vorteil
der Goetheschule als Oberstufengymnasium besteht darin, dass der Unterricht
entsprechend der Altersstufe ihrer Schüler, also jungen Erwachsenen, gestaltet
werden kann.
? Welche Schwerpunkte werden im Unterricht an der Goethe-Schule gesetzt?
Daus: Die Goetheschule als große Schule kann in allen Bereichen, also den Sprachen,
Gesellschafts- und Naturwissenschaften, ein wirklich umfassendes Fächerangebot
machen, das es den Schülern er-möglicht, entsprechend ihrer Begabungen und
Interessen Schwerpunkte zu setzen. Uns ist es wichtig, dass mit dem Abitur
ein Schulabschluss erreicht wird, der die Jugendlichen wirklich studierfähig
macht oder sie zur Ausbildung in einem anspruchsvollen Beruf befähigt. Das
Abitur darf keine Bescheinigung ohne Wert sein.
? Sehen Sie es als wichtig an, dass nicht nur der reine Lernstoff vermittelt
wird, sondern auch andere Werte?
Daus: Ich trete für eine breite schulische Bildung und solides Fachwissen ein.
Man kann allerdings fachliche Bildung und Qualifikationen nicht loslösen vom
Vermittlungsprozess. Hierzu gehört, dass mit dem Fachwissen auch Lern- und
Arbeitstechniken vermittelt werden, die in vielen Bereichen angewandt werden
können. Außerdem müssen Fachkenntnisse in allgemeine Zusammenhänge
eingebunden werden. Selbstverständlich werden sowohl von Schülern als
auch von Lehrern immer wieder Wertvorstellungen in den Unterricht eingebracht,
die hinterfragt werden müssen. Übrigens halte ich es auch an der Oberstufe
noch für wichtig, dass sogenannte Sekundärtugenden wie Höflichkeit, Pünktlichkeit
oder Ordnung den Schülern näher-gebracht werden.
? Wie wird die Goetheschule in das nächste Jahrtausend starten?
Daus: Mit dem neuen Jahrtausend beginnt für die Goetheschule auch das dritte
Jahrhundert Wetzlarer Gymnasialgeschichte. Ob sich irgendwann wieder die
Organisationsform der Schule ändert, also es auch ein Gymnasium mit Unter-
und Mittelstufe in Wetzlar gibt, wird nicht von uns, sondern der Politik
entschieden. Ich wünsche mir eine bessere finanzielle Ausstattung und
Lehrerzuweisung für alle Schulen, denn die Investition in
"Humankapital"
ist zukunftsentscheidend für unsere Gesellschaft. Als Schule ist es unsere
wichtigste Aufgabe, ein gutes Unterrichtsangebot zu machen, das auf die
Vorraussetzungen, die unsere Schüler mitbringen, aufbaut.
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